Falsche Berufswahl kann gravierende Folgen haben
Polizist oder Lehrer, Friseur oder Tischler, Tierarzt oder Chemiker: Welcher Beruf ist der richtige für mich? Vor dieser Frage stehen viele Jugendliche, die die Schule bald geschafft haben. Bei der Wahl eines geeigneten Berufes sollten Asthmatiker aber nicht nur die eigenen Interessen und Talente berücksichtigen. Wichtig ist auch, dass sich der Job aus gesundheitlicher Sicht eignet. Denn einige Berufe gehen mit einer hohen Allergenbelastung einher und dies kann verschiedene Konsequenzen haben:
Wer sich für einen „Risikoberuf“ entscheidet, muss möglicherweise Einschränkungen bei seiner Tätigkeit hinnehmen oder läuft Gefahr, den Beruf später wechseln zu müssen.
Einige Berufe sind besonders riskant
Einige Berufe gelten als besonders risikoreich, was die Entstehung oder Verschlimmerung von Asthma anbelangt.
In einer Studie* aus dem Jahr 2007 untersuchten spanische Forscher mehr als 6.000 Berufstätige, die zunächst nicht unter Asthma litten. Neun Jahre später zeigte sich ein deutlicher Trend.
Erst informieren, dann im Beruf durchstarten. Erste Ansprechpartner sind Ärzte und das Arbeitsamt.
Im Vergleich zur Normalbevölkerung war die Asthma-Quote bei einigen Berufsgruppen besonders stark erhöht: im Druckgewerbe um 137%, in der Krankenpflege und im holzverarbeitenden Gewerbe um jeweils 122%, bei Berufen in der Land- und Forstwirtschaft um 85% und in der Gebäudereinigung um 71%.
Individuelle Beratung vor der Berufswahl
Damit der Traumberuf nicht auf die Gesundheit schlägt, sollten Schulabgänger daher vor der Berufswahl alle Register ziehen und sich bei verschiedenen Stellen informieren. Die erste Anlaufstelle kann der behandelnde Kinder- oder Hausarzt bzw. Allergologe sein. Basierend auf den medizinischen Befunden rät er, welche Belastungsfaktoren zu meiden sind. Mit diesen Informationen kann anschließend der Berufsberater beim Arbeitsamt eine Einschätzung abgeben, welche Arbeitsfelder den persönlichen Interessen und Fähigkeiten besonders nahekommen. Auch das Berufsinformationszentrum (BIZ) im Arbeitsamt liefert Informationen und Filme zu den unterschiedlichsten Berufen. Im Internet können Schüler unter planet-beruf.de ein Selbsterkundungsprogramm durchführen, in dem die eigenen Talente erkundet und passend dazu mögliche Berufe ausgespielt werden. Darüber hinaus kann der Arbeitsberater beim Arbeitsamt vor der eigentlichen Berufsausbildung auch eine Berufsfindung, eine Arbeitserprobung oder einen Förderlehrgang vermitteln.
Nichts geht über eigene praktische Erfahrungen
Trotz weitreichender Informationen haben viele Jugendliche oft nur eine sehr vage Vorstellung von den unterschiedlichen Berufszweigen. Hier hilft ein Praktikum. Denn am meisten lässt sich über einen Beruf erfahren, wenn man selbst in den Betrieb geht, sich umschaut, mitarbeitet und die Kollegen interviewt. Viele Schulen bieten Betriebspraktika an. Man kann aber auch in Eigeninitiative oder mit Hilfe des Arbeitsamtes einen Praktikumsplatz ergattern.
Was tun, wenn der Traumberuf ein „Risikoberuf“ ist?
Auch wenn es einige Berufe gibt, die für Asthmatiker aufgrund der erhöhten Allergenbelastung nicht empfehlenswert erscheinen, so muss das noch nicht das endgültige Aus für den Berufswunsch sein.
Manchmal ist es besser, einen Beruf mit tragbarem Risiko zu haben, als einen Job, in dem man von vornherein unglücklich ist. Auch hier helfen eigene praktische Erfahrungen und die enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt.
Ein Jahr vor Schulabschluss ist ein guter Zeitpunkt, erste Erkundigungen einzuholen
Unterstützung, Beratung und Betreuung im individuellen Fall erhalten jugendliche Asthmatiker, die bereits ihren Schulabschluss haben, beispielsweise im CJD Asthmazentrum Berchtesgaden. In dieser Einrichtung können sie als vorberufliche Maßnahme erste praktische Erfahrungen in den Bereichen Metallbearbeitung, Elektro- und Haustechnik, Informationstechnik und Gestaltung sowie Hauswirtschaft, textiles Gestalten, Büro und Verkauf sammeln, aber auch eine komplette Ausbildung machen. Dabei ist die medizinische Betreuung und Beratung in allen Ausbildungsgängen gewährleistet. Für die berufliche Förderung bzw. Rehabilitation sind die Arbeitsämter verantwortlich. In einigen Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten.
Asthma im Berufsalltag im Griff behalten
Damit die Berufsfindung optimal verlaufen kann, lohnt es sich also, sich nicht erst auf den letzten Drücker um die Berufswahl zu kümmern, sondern rechtzeitig alle relevanten Informationen und Angebote einzuholen. Während der Ausbildung und im späteren Berufsleben ist es aber genauso wichtig, die Asthmaerkrankung im Blick zu behalten und regelmäßig durch den Arzt kontrollieren zu lassen. Dank moderner Medikamente, die einfach anzuwenden sind, ist die Erkrankung heute sehr gut behandelbar. Einschränkungen im Berufs- und Arbeitsleben muss es daher nicht zwangsläufig geben.
(fm/bsmo)
Linktipps:
Planet-Beruf - Berufe, Erfahrungsberichte, Talente-Check im Internet
Berufenet – ein weiteres Informationsangebot beim Arbeitsamt
CJD Asthmazentrum Berchtesgaden – Angebote für junge Asthmatiker
Quellen:
Nach Informationen von: Uniklinikum Gießen, CJD Asthmazentrum Berchtesgaden, Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Atemwegsliga und der Fachzeitschrift Lancet
*Studie: Kogevinas M. et al.: Exposure to substances in the workplace and new-onset asthma: an international prospective population-based study (ECRHS-II). Lancet. 2007; 370(9584):336-41
Bild-Quelle:
shutterstock.com, @ Liv friis-larsen
Juni 2009