Endlich geht es wieder los! Ob Fasching, Karneval oder Fastnacht, die bunteste aller Jahreszeiten treibt Jung und Alt auf die Straßen und in die Festhallen. Es wird getanzt, getrunken und gelacht, und für viele Stubenhocker ist es körperlich eine riesige Herausforderung, sich bis in die frühen Morgenstunden auf den Beinen und auf der Tanzfläche zu halten. Vor allem Patienten mit Asthma und anderen chronischen Atemwegserkrankungen können sich in diesen Tagen schnell zu viel zumuten. Einflüsse wie Kälte, Stress und ungewohnte körperliche Anstrengung sind Faktoren, die den Atemwegen zusetzen und sogar einen Asthmaanfall auslösen können. Deshalb sollten auch Jecken in mancher Hinsicht lieber einen kühlen Kopf bewahren!
Karnevals- und Fastnachtsumzüge: Keine kalten Füße holen!
Am 23. Februar ist es soweit: Die Rosenmontagsumzüge rollen wieder. Nicht nur in Köln, Mainz, Aachen, sondern seit wenigen Jahren sogar im preußisch-steifen Berlin gehen Närrinnen und Narren auf die Straßen. Dabei ist der Februar nicht gerade berühmt für mildes und trockenes Wetter. Atemwegspatienten sollten daher auf Verkleidungen mit kurzen Röcken oder tief aufgeknöpften Hemden verzichten. Im Getümmel fängt man sich leicht eine Erkältung ein. Wer ausgekühlt ist und friert, ist ganz besonders gefährdet. Dass das dem Asthma nicht zuträglich ist, gilt inzwischen als wissenschaftlich erwiesen. Packen Sie sich daher lieber warm ein, als im knappen Kostümchen im Gedränge eine Infektion der Atemwege zu riskieren. Sexy angezogen kann man später drinnen feiern.
Auch für Asthmatiker ist die närrische Zeit ein Grund zum Feiern und Ausgelassen sein – solange man es nicht übertreibt!
Lieber von außen als von innen wärmen
Auch mit dem „Aufwärmen von innen“ – dem einen oder anderen Schluck Hochprozentigem – sollte man im Freien vorsichtig sein. Alkohol erweitert die feinen Äderchen der Haut und sorgt so ungewollt für eine gute Durchblutung der Hautoberfläche. Das gibt zwar ein angenehmes Gefühl, aber man verliert auch viel Wärme. Mit steigendem Alkoholpegel schwindet auch schnell das Gefühl für Kälte, sodass man sich leichter erkältet, als man denkt. Das gilt auch für den Abend, wenn man beschwipst und durchgeschwitzt aus der Festhalle ins Freie kommt. Denken Sie immer daran: Als Atemwegspatient sind Lunge und Bronchien Ihre größten Schwachpunkte und diese sollten nicht in der kalten Februarluft schockgefroren werden!
Auch Tanzen ist Hochleistungssport!
Mit guter Musik und der richtigen Feierlaune macht Tanzen erst so richtig Spaß. Aber viele Menschen vergessen schnell, dass Tanzen zu Recht zu den olympischen Sportarten gezählt wird. Wer sonst nicht viel mit Bewegung am Hut hat, sollte sich darum auch auf der Tanzfläche nicht übermäßig verausgaben, weil anderenfalls ein Anstrengungsasthma droht. Hinzu kommt, dass man bei körperlicher Belastung automatisch von der Nasen- zur Mundatmung übergeht. Wichtige Schutzfunktionen der Nase, wie die Luft vorzuwärmen, sie von Schmutzpartikeln zu befreien oder anzufeuchten, greifen dann nicht mehr. Entsprechend wird die ohnehin empfindliche Atemwegsschleimhaut eines Asthmatikers noch stärker gereizt. Das passiert umso mehr, wenn die Luft im Raum möglicherweise zusätzlich von Zigarettenqualm und Kunstnebel erfüllt ist.
Es spricht nichts dagegen, trotz der Medikamente auch mal ein Glas Wein oder Bier zu trinken - auf das Maß kommt es an!
Vorher Atemwege stärken!
Eine regelmäßige Einnahme der Asthmamedikamente macht die Atemwege unempfindlicher und kann daher vor unangenehmen Überraschungen durch äußere Einflüsse schützen. Tägliche moderate Bewegungseinheiten steigern die Belastungsgrenze und beugen einem Anstrengungsasthma vor. Wer beispielsweise Spaß an der Sache findet, sollte ruhig auch nach Aschermittwoch regelmäßig das Tanzbein schwingen. Damit bleibt man nicht nur fit für die nächste närrische Zeit, sondern tut auch seiner Gesundheit etwas wirklich Gutes.
Alkohol und Asthmamedikamente
Auch wichtig zu wissen: Die üblichen Asthmamedikamente wie Beta-Sympatomimetika und Kortikoide haben keine nennenswerten Wechselwirkungen mit Alkohol, solange er nicht exzessiv und regelmäßig in großen Mengen genossen wird. Auch der Facharzt und Luft-zum-Leben-Experte Prof. Dr. J.-Christian Virchow, Leiter der Abteilung für Lungenkrankheiten an der Universitätsklinik Rostock, bestätigt dies: „Es spricht nichts dagegen, trotz der Medikamente auch mal ein Glas Wein oder Bier zu trinken.“ Sicherheitshalber sollte man aber immer nochmals den behandelnden Arzt befragen, ob möglicherweise andere Gegenanzeigen vorliegen, die Alkohol gänzlich verbieten.
(sk/bsmo)
Linktipps:
Die wichtigsten Karnevalstermine auf einen Blick:
www.karneval.com
www.koeln.de/tourismus/karneval
www.mainzer-fastnacht.de
www.karnevaldeutschland.de
Quellen:
Nach Informationen von Expertenrat Luft-zum-leben.de und Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Abteilung für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
Bild-Quelle:
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Februar 2009