Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Asthmaarten und der individuellen Reizauslösung für einen akuten Asthmaanfall kann keine Einheitsaussage getroffen werden, ob ein Asthmatiker besser eine Sauna oder ein Dampfbad besuchen sollte. Generell gilt: Feuchte Kälte (z. B. Nebel) wird schlechter toleriert als trockene Wärme.
Regulation des Wärmehaushaltes im menschlichen Körper
Als Kerntemperatur (Sollwert) wird die Temperatur im Körperinnern (Organe) bezeichnet. Sie schwankt physiologisch in engen Grenzen und beträgt etwa 36,5–37 °C, der individuelle Normwert kann aber gering davon abweichen.
Die Schalentemperatur (Haut und Gliedmaßen) ist in der Regel niedriger und liegt je nach Region zwischen 28 °C und 33 °C. Sie wird von der Durchblutung und der Umgebungstemperatur beeinflusst und schwankt auch aus diesem Grund stärker als die Kerntemperatur.
Bei einer Temperaturänderung versucht der menschliche Körper durch Wärmeabgabe und Wärmeproduktion seine Körperkerntemperatur konstant zu halten, damit alle biochemischen Stoffwechselprozesse problemlos funktionieren.
In Ruhe entsteht Körperwärme vor allem durch Energie produzierende Stoffwechselvorgänge in der Leber sowie durch Muskelkontraktionen (Muskelarbeit).
Bei erhöhtem Wärmebedarf werden die Hautgefäße verengt und der abkühlende Körper versucht zusätzlich durch unwillkürliches Muskelzittern (Kältezittern oder Zähneklappern) Wärme zu produzieren.
Steigt die Körperkerntemperatur hingegen über den Sollwert, werden die Hautgefäße weit gestellt, die Haut wird besser durchblutet, da 90% der Wärmeabgabe über die Haut erfolgt (Schwitzen, Verdunsten, Wärmeabstrahlung an die kältere Umgebung). Auch über die Atmung und durch die Ausscheidung von Stuhl und Urin verliert der Körper Wärme.
Unterscheidung Sauna und Dampfbad
Sauna: heiß, trocken (Trockensauna)
• Finnische Sauna: Temperatur ca. 95 °C, Luftfeuchtigkeit vor Aufguss ca. 10%
Feuchte Warmluftbäder: warm, mittelfeucht
• Temperatur ca. 40–60 °C, Luftfeuchtigkeit ca. 35–50%
• Biosauna: Temperatur ca. 60 °C, Luftfeuchtigkeit ca. 40%
Dampfbad: mild, feucht
• Temperatur ca. 40–50 °C, Luftfeuchtigkeit ca. 100%
Temperaturregulation des menschlichen Körpers in der Sauna
Beim Aufenthalt in einer klassischen Sauna steigt die oben erklärte Schalentemperatur rasch auf etwa 39 °C an, während sich die Körperkerntemperatur nur um 1–2 °C erwärmt. Diese kurzfristige Erhöhung der Körpertemperatur ist aber einer der gewünschten Effekte beim Saunabaden. Durch diese Temperaturerhöhung beschleunigt sich der Stoffwechsel und wirkt ähnlich einem künstlichen Fieber. Durch intensives Schwitzen reguliert der Körper die erhöhte IST-Temperatur wieder auf den SOLL-Wert hinab.
In Finnland fragt man nicht, ob Kranke in die Sauna gehen dürfen. „Wer zur Sauna gehen kann, geht auch in die Sauna“, sagt ein finnisches Sprichwort.
Atmung in der Sauna und im Dampfbad
Viele Menschen mit Asthma haben die Befürchtung aufgrund der großen Hitze in der Sauna oder der hohen Luftfeuchtigkeit im Dampfbad keine oder zu wenig Luft zu bekommen.
Sauna:
Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Atmung in der Sauna kaum oder gar nicht beschleunigt. Auch die Tiefe der Atemzüge verändert sich nicht. Das scheint verwunderlich, da die Luft in der Sauna "dünner" ist (Luft dehnt sich bei Hitze aus und enthält weniger Sauerstoff), jedoch benötigt der Körper infolge der Muskelentspannung in der Sauna weniger Sauerstoff als außerhalb.
Der muskelentspannende Effekt der trockenen Wärme wirkt nicht nur auf die Skelettmuskulatur, sondern auch auf die Bronchialmuskulatur. Das wirkt genau der Verkrampfungsbereitschaft entgegen, die zu den akuten Asthmaanfällen führt. Die Bronchien erweitern sich, ein besseres Durchatmen ist möglich und das Fassungsvermögen der Lunge (Vitalkapazität) vergrößert sich. Ferner erwärmt sich die Schleimhaut der Atemwege, was auf Schleimproduktion, Abwehrleistung und Verkrampfungen einen äußerst positiven Einfluss hat.
Regelmäßiges Saunieren bewirkt bei den meisten Asthmapatienten eine Reduktion der Anfallsbereitschaft sowie eine immunstimulierende, infektverhütende Wirkung. Die Befürchtung, dass man aufgrund der großen Hitze schlechter durchatmen kann, erweist sich daher als unbegründet.
Dampfbad:
Viele Asthmatiker fühlen sich in Dampfbädern sehr wohl, denn die feuchtwarme Luft wirkt einerseits wie oben beschrieben muskelentspannend u.a. auf die Bronchien und auf die Atemhilfsmuskulatur. Zudem kondensiert die feuchtwarme Luft an den Schleimhäuten und löst den festsitzenden Schleim, der anschließend – wie beim Inhalieren – besser abgehustet werden kann.
Bei Nebel hingegen kommt es häufig zur Auslösung eines akuten Asthmaanfalls. Nebel und Dampfbäder sind nicht miteinander vergleichbar. Beim Nebel ist die Kälte das größte Problem, welche v.a. beim kälteinduzierten Asthma einen akuten Asthmaanfall auslösen kann.
Kritische Aspekte für Asthmatiker bezüglich Sauna oder Dampfbad
Aufgüsse/ätherische Öle: Manche Asthmatiker reagieren gegenüber den Inhaltsstoffen der Aufgüsse in der Sauna oder der Essenzen beim Dampfbad allergisch oder es reizt ihr überempfindliches Bronchialsystem.
Kälteschock nach initialer Wärme: Das Tauchbad im Eiswasser oder das kalte Duschbad nach dem Saunagang / Dampfbad sowie der Freigang in der kalten Winterluft bergen die Gefahr in sich, reflektorisch einen akuten Asthmaanfall auslösen zu können.
Fazit
(tb/Bird & Schulte Advertising)
Quellen
"Alles über Saunabaden" eine Einführung von Dr. med. I. Fritzsche und W. Fritzsche
"Pflege heute", Gustav Fischer Verlag
Deutscher Sauna-Bund e.V., Bielefeld
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