Sport

Hoffen auf Regen in Peking – Dicke Luft für Olympioniken?

Wenige Tage vor dem Start der Olympischen Spiele liegt Peking noch immer unter einer dicken Smog-Glocke. Obwohl die chinesische Regierung den Autoverkehr stark eingeschränkt hat und sogar einige Fabriken vorübergehend stillgelegt wurden, hat sich die Luftsituation nur wenig verbessert. Ausdauersportler und Athleten mit Asthma müssen sich besonders gut schützen.

Dicke Luft für Olympioniken in Peking?


Feinstaub belastet besonders stark
Rund jeder fünfte Teilnehmer bei den Olympischen Spielen ist asthmakrank. Auch solche Athleten, die durch gute medikamentöse Versorgung ohne Symptome ihrem Sport nachgehen können, befürchten Probleme während der Spiele. Eine der Hauptschwierigkeiten für die Leistungssportler ist die enorme Belastung der Atemluft mit Feinstaub. In den vergangenen sechs Jahren wurde die Höchstmenge, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO toleriert wird, regelmäßig um ein Vielfaches überschritten. Im Jahr 2006 lag die durchschnittlich Feinstaubbelastung in Peking bei 161 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zulässig sind laut WHO 40, bzw. ab dem Jahr 2010 nur noch 20 Mikrogramm. Auch bei anderen Schadstoffen wie Schwefeloxiden und Kohlenmonoxid liegt Peking weit über den zulässigen Grenzwerten.

Einige Sportler treten erst gar nicht an
Einige Athleten, die unter Asthma leiden, wie die belgische Tennisspielerin Justin Henin, haben darum ihre Teilnahme an den Spielen abgesagt. Auch der Weltrekordhalter im Marathon, Haile Gebrselassie, wird bei seiner Königsdisziplin über 42,195 Kilometer nicht antreten: „Meine Priorität besteht darin, zu leben und meine Gesundheit zu halten“, begründete er seinen Entschluss. Einen Marathon in dieser Luft zu laufen, halten er und seine betreuenden Ärzte für zu riskant. Seine Teilnahme am 10.000-Meter-Lauf hält er sich aber offen.




Eines der Hauptprobleme für die Leistungssportler in Peking ist die enorme Belastung der Atemluft mit Schadstoffen wie Feinstaub. Vor allem für Ausdauersportler ist sie groß.

„Blaue Tage“ und Regen versprechen Besserung
Je nach Wetterlage kann das Klima in Peking und Umgebung aber auch sportlerfreundlich sein, zum Beispiel nach einer Regenperiode oder an den so genannten „Blauen Tagen“, wenn ein kräftiger Nordwind aus den Bergen Staub und Abgase aus der chinesischen Metropole vertreibt. Darum werden die Luftwerte täglich kontrolliert. Die chinesische Umweltbehörde arbeitet dabei eng mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zusammen, das von seiner Seite aus alle Maßnahmen zum Schutz der Athleten trifft.

Besonders Langstrecken belasten die Lungen
Kurzzeitige Belastungen sind dabei nicht das Hauptproblem. Aber Disziplinen, die sich über mehrere Stunden hinziehen, sind sogar für gesunde Lungen bei Smogwetterlage schädlich. Straßenradsport, Mountainbikerennen, Langstrecken bei den Schwimmern und Läufern sowie der Triathlon können daher eventuell sogar an einen anderen Austragungsort verlegt werden, wenn die Wetterlage zu belastend ist. Um sich so lange wie möglich vor der dicken Luft zu schützen, reisen viele Sportler erst in letzter Minute an.




Sportler, die unter Asthma leiden, müssen sich gut medikamentös absichern und ihren Bedarf an Medikamenten vorher dem IOC melden.

Asthmatiker melden sich frühzeitig beim IOC
Wegen der schlechten Luftverhältnisse sind für die Sportler, die unter Asthma leiden, Medikamente, die vor Anfällen, Atemnot und dadurch bedingtem Leistungsabfall schützen, natürlich besonders wichtig. Einige Asthmamedikamente können auch als Dopingmittel missbraucht werden. Daher melden sich Sportler, die auf solche Wirkstoffe angewiesen sind, bereits vorab beim IOC. Brisant ist, dass nur jeder zweite Athlet, bei dem Asthmasymptome während der Olympiade auftreten können, sich dessen auch bewusst ist. Denn viele leben mit der Krankheit, ohne dass sie zu akuten Problemen führt. Erst unter erschwerten Bedingungen, wie sie in Peking zu erwarten sind, können dann Atemnot und Leistungsabfall drohen. Im Vorfeld wird daher bei vielen Teilnehmern abgeklärt werden, ob eine latente (versteckte) chronische Erkrankung der Atemwege vorliegt, die einer medikamentösen Absicherung bedarf.
(sk/bsmo)

Linktipps:
Aktuelle Meldungen des Bundesumweltministeriums zum Thema Luftreinhaltung:
http://www.bmu.de/luftreinhaltung/aktuell/1704.php

Der Luftdatenservice liefert Ihnen täglich aktuell für Ihren Wohn- und Ferienort Informationen über Feinstaubbelastung, Ozonwerte und Pollenflug:
http://www.luft-zum-leben.de/lzl/content/service/luftdaten/index_ger.html

Quellen:
Nach Informationen von Schweizerisches Zentrum für Allergie, Triathlon-Magazin „triathlon“ und Financial Times Deutschland

Bild-Quelle:
istockphoto.com, @ morganl

August 2008



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Samstag, 31. Juli 2010

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