Sanfter Sport für alle Altersklassen
Joga ist schon lange keine Exoten-Sportart mehr, sondern hat seinen Weg in unsere westliche Kultur gefunden. Nicht nur Prominenten wie die Pop-Ikone Madonna schwören auf die sanften und entspannenden Übungen. Auch in der modernen Medizin ist man dabei, die Vorzüge von Joga zum Wohle der Patienten einzusetzen. Joga kann von Menschen aller Altersklassen und auch bei vielen körperlichen Einschränkungen praktiziert werden. Die positiven Auswirkungen für Atemwegspatienten wurden erst kürzlich wieder in einer amerikanischen Gesundheitsstudie* belegt.
Was ist Joga?
Joga hat nichts mit halsbrecherischen Verrenkungen zu tun, wie viele Laien befürchten. Vielmehr bestehen Jogaübungen aus einer großen Anzahl von Körperstellungen, die sich teilweise an Vorbildern in der Natur orientieren.
Putzige Namen wie „Hund Kopf unten“ (dabei kniet man auf dem Boden, streckt die Arme vor sich auf den Boden und hebt das Gesäß wie ein sich streckender Hund) oder der „Baum“, der im Stehen durchgeführt wird, zeigen dabei die Fülle der Übungsmöglichkeiten. Grundidee des Yoga ist es, die Muskulatur verschiedener Körperregionen gezielt zu stärken, die Gelenkigkeit zu verbessern und mit gleichmäßiger, tiefer Atmung den Körper mit viel Sauerstoff zu versorgen.
Verschiedene Studien belegen die Wirksamkeit der entspannenden Sportart Joga.
Mit etwas Übung lernt man auch, sich dabei tief zu entspannen. Die Vorteile, die solche Übungen für Atemwegspatienten und Asthmatiker haben, liegen auf der Hand: Joga verbessert die Atmung und stärkt die Atemwegsmuskulatur.
Schon lange im Fokus der Medizinforschung
Schon in den 1970-er Jahren haben sich Wissenschaftler mit den möglichen Vorzügen von Joga für Asthmapatienten beschäftigt. Und erst vor wenigen Wochen wurde wieder eine US-amerikanische Studie veröffentlicht, in der gezeigt wurde, dass schon wenige Übungsstunden pro Monat großen Einfluss auf die Lebensqualität von Asthmapatienten haben können.* Im Rahmen des 56. Treffens des American College of Sports Medicine (ACSM) in Seattle stellte die Spezialistin Amy Bidwell ihre Studienergebnisse vor: 20 Joga-Anfänger im Alter von 20 bis 65 Jahren praktizierten über einen Zeitraum von zehn Wochen zweieinhalb Stunden Joga pro Woche. Bei allen Teilnehmern zeigten sich in diesem kurzen Zeitraum erstaunlich viele positive Veränderungen: Die Lebensqualität stieg messbar an, Asthmasymptome gingen zurück. Bidwell bezeichnete Joga als wirksames Werkzeug für die moderne Atemmedizin. Und auch der Forscher Raoyrin Chanavirut von der Khon Kaen Universität in Thailand bestätigt diese Erfahrung. In seiner Studie** praktizierten 29 Freiwillige fünf Positionen aus dem Hatha-Joga, darunter die Figuren Katze, Baum und Kamel, jeweils für 20 Minuten am Tag. Nach wenigen Wochen zeigten sie ein deutlich verbessertes Atemvolumen, was der Wissenschaftler darauf zurückführt, dass die Patienten gelernt hatten, ihren Brustkorb weiter zu dehnen und die Atemmuskulatur gezielt gestärkt wurde.
Joga ist ein Sport für jedermann
Das Schöne an Yoga ist, dass es wirklich von fast jedem Menschen durchgeführt werden kann. Wer jung und sporterfahren ist, kann sich an anspruchsvollere Übungen heranwagen.
Für betagtere oder körperlich eingeschränkte Patienten gibt es eine Fülle von einfachen Übungen, die dabei helfen, Beweglichkeit und Kraft wieder herzustellen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Joga mittlerweile fast überall angeboten wird: von Volkshochschulen, Sportstudios, in regelrechten Jogazentren oder auch in physiotherapeutischen Praxen.
Joga verbessert die Atmung und stärkt die Atemwegsmuskulatur.
Wie bei jedem sportlichen Neuanfang sollten ungeübte Asthmapatienten, auch wenn sie einen Joga-Kurs planen, zuvor mit dem Arzt darüber Rücksprache halten, welche Übungen für sie sinnvoll sind und ob die Dauermedikation auf die neue Lebenssituation hin neu eingestellt werden sollte.
Tiefenentspannung und Atemtechniken für den Alltag
Einmal erlernt kann man die Entspannungs- und Atemtechniken auch im Alltag anwenden. Dort, wo es früher stressig wurde und die Atmung schwerer viel, hat man durch die Übungen die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit zu entspannen und tief durchzuatmen. Viele Asthmapatienten spüren regelrecht an der Reaktion ihrer Atemwege, wie gut es tut, wenn man belastenden Situationen mit innerer Ruhe und Gelassenheit begegnen kann.
Joga ist kein Ersatz für Medikamente!
Joga ist natürlich kein Ersatz für Medikamente. Auch wenn man sich dank der verbesserten Atemtechnik und der inneren Entspannung besser fühlt, sollte man sich weiterhin regelmäßig in seiner Lungenfachpraxis durchchecken lassen. Wenn sich der Gesundheitszustand durch den Sport messbar verbessert, könnte eine Anpassung der Dauermedikation möglich sein. Dies zu entscheiden, muss aber unbedingt in der Hand des Arztes bleiben.
(sk/bsmo)
Studien:
* American College of Sports Medicine: Yoga helps Asthma Patients in 10 weeks, Pressemitteilung vom 27. Mai 2009
** The American Physiology Society: Raoyrin Chanavirut: Short-Term Yoga Training Expands Breathing And Lung Capacity Even Among Healthy Young Adults, Veröffentlichung vom 5. April 2006
Linktipps:
Weitere Entspannungstechniken
Quellen:
Nach Informationen von American College of Sports Medicine, American Physiology Society, Fachzeitschrift Thorax (Februar 2002) und British Medical Journal
Bild-Quelle:
shutterstock.com, @ Andrejs Pidjass
Oktober 2009