Partikel gefährden Asthma-Patienten
Feinstaub ist mit bloßem Auge nicht zu sehen, doch die Luft ist voll davon. Er besteht aus Partikeln, die kleiner sind als ein Zehntel des Durchmessers eines Haares. Zu klein, um in den Schleimhäuten von Nase und Rachen hängen zu bleiben. So gelangen die Schwebeteilchen beim Luftholen in den Körper. Die Folgen können chronischer Husten, Bronchitis, Herz-Lungen-Probleme, eine Verschlechterung der Lungenfunktionswerte, Lungenkrebs und eine kürzere Lebensdauer sein. Nach jüngsten Studien der Weltgesundheitsorganisation WHO (www.who.int/topics/air/en/) sterben Menschen hier zu Lande durch Feinstaub im Schnitt rund zehn Monate eher. Jedes Jahr werden 65.000 Deutsche Opfer von Feinstaub, berichtet das Bundesumweltministerium (www.bmu.de). Gefährdet sind vor allem Kinder, Ältere sowie Patienten mit Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis. Interessanterweise kann Feinstaub auch indirekt auf den Körper wirken: Experten berichten, dass die Partikel Pollen aggressiver machen, indem sie die Struktur ihrer Oberflächen verändern. So strömen vermehrt allergieauslösende Eiweißstoffe in die Pollen, und die belasteten Pollen verstärkten Entzündungen z.B. an den Bronchien.
Öffentlicher Wirbel um Feinstaub in der Außenluft
Feinstäube entstehen in erster Linie beim Verbrennen in Industrieanlagen oder Motoren, auf Baustellen und beim Abrieb von Bremsbelägen, Reifen oder Asphalt. Hauptverantwortlich sind vor allem Fahrzeuge mit Dieselantrieb. In Frankfurt am Main etwa werden 45% des Feinstaubs durch Verkehr, 38% durch die Industrie und 17% durch Gebäudeheizungen verursacht, berichtet das hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (www.hlug.de). Seit Anfang 2005 sorgt Feinstaub auch für großen öffentlichen Wirbel. Grund ist eine EU-Regelung, die am 1. Januar 2005 in Deutschland und den anderen Mitgliedsstaaten in Kraft trat. Danach darf die Belastung durch Feinstaub an höchstens 35 Tagen im Jahr den Grenzwert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft überschreiten. Mehrere deutsche Städte, z.B. München, Düsseldorf, Berlin und Dortmund, verstoßen regelmäßig gegen diesen Grenzwert.
Feinstaub reduzieren - Das können Sie tun!
Partikelfilter in dieselgetriebenen Autos können 99% des Rußes auffangen. Noch effektiver lässt sich die Feinstaubbelastung aber reduzieren, wenn man auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigt. Wer seinen Diesel-PKW stehen lässt und mit dem Bus fährt, verursacht bis zu 400 Mal weniger Feinstaub durch Abgase. Das haben Berechnungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen ergeben (www.mvg-mobil.de/presse/presse_2005/20.06.2005.htm). Auch wer sein Dieselfahrzeug mit einem der oben erwähnten Partikelfilter ausstatten lässt, verursacht im Vergleich zur Busfahrt immer noch 15-mal mehr Feinstaub.
Aber auch die Städte und Kommunen sind gefordert, damit die öffentlichen Verkehrsmittel Teil der Lösung und nicht Teil des Problems werden. Sie sollten dafür sorgen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel gut ausgebaut werden und natürlich die Fahrzeuge mit Partikelfiltern ausgestattet sind.
Belastung in Räumen unterschätzt
Was derzeit oft übersehen wird: Auch in Gebäuden kann Feinstaub entstehen. Fachleute schätzen, dass die Belastung der Luft in manchen Räumen bis zu fünfmal höher ist als auf viel befahrenen Straßen. Beispiel Berliner Schulen: Messungen in Klassenzimmern ergaben jüngst eine drei Mal so hohe Konzentration an Feinstaub wie draußen und eine etwa doppelt so hohe wie in Büros oder Wohnungen. Als Hauptursachen gelten schlechte Lüftung der Räume und Putzmängel – aus Kostengründen werden die Fußböden nicht mehr regelmäßig nass gewischt. Eine weitere unterschätzte Quelle ist Tabakrauch. Laut einer italienischen Studie enthält der Rauch einer Zigarette etwa so viel Feinstaub wie ein laufender Dieselmotor in 100 Minuten ausstößt. Im Büro produzieren vor allem Kopierer und Drucker Feinstaub. Gerade Asthmatiker sollten solche Geräte aus ihrer Nähe verbannen.
Aus einer Studie des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (www.daab.de) geht hervor, dass die durchschnittliche Feinstaubmenge bei glatten Bodenbelägen aus Holz, Laminat oder Fliesen doppelt so hoch ist wie bei Teppichen. Der gesetzliche Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wurde in Räumen mit Glattböden bei einem Mittelwert von 62,9 Mikrogramm deutlich überschritten. Teppich kann demnach Allergien und Atemwegserkrankungen bzw. einer Verschlimmerung bestehender Leiden vorbeugen.
Links zum Thema Feinstaub:
(mj/BSMO)
Quellen: Nach Informationen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, des Bundes für Natur- und Umweltschutz Deutschland und des Deutschen Allergie- und Asthmabundes
Oktober 2007
Bild-Quelle: © iKOMM.info