Wohnen

Asthma-Risiko: Geizen beim Heizen

Steigende Energiepreise zwingen zum Sparen. Fachleute warnen allerdings vor zu viel Knauserigkeit. In ungeheizten, wenig gelüfteten Räumen bilden sich schnell Feuchtschäden und Schimmel. Letzterer kann Asthma auslösen oder verstärken. So weit muss es nicht kommen.

Kaminfeuer


Experten auf Sporensuche„Fenster zu und die Heizung drosseln“, denkt mancher angesichts klirrender Kälte und explodierender Energiekosten und irrt: In ausgekühlten, schlecht belüfteten Zimmern sammelt sich Feuchtigkeit, und es bildet sich Schimmel, warnt Ehrenfried Heinz vom Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken (IEMB) an der Technischen Universität Berlin. Heinz hat an einer Studie zu Feuchtigkeitsschäden mitgewirkt, für die Fachleute in den Jahren 2000 und 2001 deutschlandweit rund 5.500 Wohnungen begutachtet haben. Das erschreckende Ergebnis: Rund 22 Prozent der Quartiere wiesen Schäden auf, in 9,3 Prozent der untersuchten Wohnungen seien Schimmelpilzflecken zu sehen gewesen. Darin nicht enthalten: unsichtbarer Schimmel, der z.B. unter Tapeten, in Hohlräumen oder hinter Isolierungen wuchert.

Atemlos durch Schimmel
Schimmel bedeutet mehr als einen Schönheitsfehler – er gefährdet die Gesundheit. Schimmelpilze können erkältungsähnliche Symptome auslösen, Haut und Schleimhäute reizen, zu allergischen Reaktionen führen und Asthma begünstigen. Eine Studie der Universität Jena zeigte, dass Schimmelpilze das Asthma-Risiko um ein Vielfaches erhöhen. Doch keine Sorge, Asthmatiker haben keine Verschlimmerung zu befürchten, sofern sie ihre Beschwerden mit einer Langzeittherapie behandeln. Wer ideal eingestellt ist und seine Medikamente täglich einnimmt, kann sein Asthma sehr gut kontrollieren und wird äußerst selten in Notfallsituationen geraten. Trotzdem gilt natürlich: Schimmel im Haus muss raus!

Dem Pilz auf den Pelz rücken
Kleinen befallenen Stellen können Bewohner selbst zu Leibe rücken. Dazu zuerst feucht abwischen und dann mit 70- bis 80-prozentigem Alkohol einreiben. So lässt sich z.B. verschimmelten Fugen im Bad beikommen – aber keinen größeren Pilzpelzen. In auswuchernden Schimmelfällen ist eine fachgerechte Sanierung nötig. Hände weg von Anti-Schimmel-Sprays und Ähnlichem, empfiehlt der Bundesverband für Schimmelpilzsanierung (BSS) mit Recht. Solche Do-it-yourself-Aktionen kaschieren den Schaden nur. Die Ursache können sie nicht beseitigen, da Schimmelpilze in der Regel tief in Wände eindringen. Das Umweltbundesamt sieht Handlungsbedarf bei einem Schimmelbefall von mehr als 20 Quadratzentimeter, bei mehr als 50 Quadratzentimeter sogar dringenden!

Vermietersache Schimmeltilgung
Mieter sind übrigens verpflichtet, Schimmel in ihrer Wohnung zu melden. Fürs Beseitigen ist grundsätzlich der Vermieter zuständig – außer wenn unzureichendes Lüften und Heizen die Ursache ist. Das muss ein Vermieter aber beweisen, zum Beispiel durch ein Gutachten. Bleibt er den Beweis schuldig oder lässt sich nicht eindeutig feststellen, ob der Pilzbefall durch Baumängel oder Nutzerverhalten zustande kommt, hat der Mieter ein Recht auf Beseitigung der Mängel und kann die Miete mindern.

Kampf gegen Pilzsporen und Heizkosten
Richtiges Lüften und Heizen sind die beiden Eckpfeiler zur Schimmelverhütung. Fachleute raten zu einer Raumtemperatur von mindestens 16 Grad in gut gedämmten Wohnungen und mindestens 18 Grad in weniger gut gedämmten Gebäuden. Auch ungenutzte Räume sollten geheizt und gelüftet werden. Wichtig: Die Türen zu weniger beheizten Räumen schließen, damit sich keine feuchte Luft an den Wänden niederschlagen kann. Nach dem Kochen, Duschen oder Baden unbedingt für ausreichend Frischluft sorgen. Die Tür dabei schließen, damit die Feuchtigkeit sich nicht in der Wohnung ausbreitet. Zum Lüften sollten die Fenster mehrmals täglich 5-10 Minuten vollständig geöffnet werden – Kippstellung reicht nicht. Kann eine Wohnung wegen Abwesenheit nicht ausreichend gelüftet werden, sollten wenigstens die Zimmertüren geöffnet sein, damit sich noch vorhandene Feuchte gleichmäßig über alle Räume verteilen kann. Eine Wohnung darf nie ganz auskühlen. Kurzfristig erwärmte Raumluft kondensiert sonst an den kühlen Wänden und erzeugt Schimmel. Eine konstante Raumtemperatur ist daher besser als ständiges Wiederaufheizen – auch für den Geldbeutel. Denn wer Zimmer immer wieder auskühlen lässt, braucht viel mehr Energie, um wieder auf angenehme Grade zu kommen.

Linktipps:
Weitere Informationen zur Beseitigung von Schimmel bietet die Broschüre „Hilfe! Schimmel im Haus“ des Umweltbundesamtes:
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/dateien/2227.htm

Stiftung Warentest analysiert Ihre Probe auf eine mögliche Schimmelpilzbelastung Ihrer Wohnräume und gibt Tipps und Handlungsempfehlungen (Preis: 47 Euro):
http://www.stiftung-warentest.de/online/gesundheit_kosmetik/analyse/1131529/1131529.html

(mj/BSMO)

Quellen: Umweltbundesamt, Ärzte-Zeitung, Technische Universität Berlin, Mieterverein Berlin, Stiftung Warentest

Oktober 2007

Bild-Quelle: gettyimages.com, © Ivan Hunter



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Samstag, 31. Juli 2010

Medizinischer Beirat - Ihr Experte Herr Dr. Michael Barczok


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