Landleben hilft Asthma zu vermeiden
Mittlerweile sind diverse Risikofaktoren bekannt, die für die Entstehung von kindlichem Asthma mit verantwortlich sein können. Der Wohnort scheint dabei eine ganz besondere Rolle zu spielen. Kinder, die auf dem Land aufwachsen, scheinen weniger anfällig für asthmatische Probleme zu sein. Die Gründe für dieses Phänomen sind bereits seit einigen Jahren in der Diskussion. Ein möglicher Faktor neben der geringeren Luftverschmutzung durch Auto- und Industrieschadstoffe hierbei: Vermutlich wird das Immunsystem der Kleinen auf dem Land früher und intensiver mit möglichen Allergenen konfrontiert. Damit lernt es besser, welche Stoffe wirklich abgewehrt werden müssen und welche harmlos sind.
Bauernhofkinder entwickeln seltener ein Asthma als Kinder aus städtischen Regionen oder aus dem Dorf.
Bauernhofkinder haben das geringste Asthmarisiko
Doch Landleben ist nicht gleich Landleben. So offenbarten vergleichende Studien mit Bauernhofkindern und Kindern aus anderen dörflichen Wohnsiedlungen eine unterschiedliche Häufigkeit von Atemwegsallergien. In Niederbayern und der Oberpfalz beispielsweise litten einer Erhebung von Daten aus Schuleingangsuntersuchungen* zufolge 4,9% der einbezogenen Schulanfänger aus normalen dörflichen Wohnsiedlungen unter Heuschnupfen. Bei den Bauernhofkindern waren es hingegen nur knapp 2%. Ähnliche Zahlen sind auch aus anderen ländlichen Regionen Europas und Kanadas bekannt. Die Wissenschaftler weisen in diesem Zusammenhang auf die speziellen Lebensverhältnisse auf Bauernhöfen hin. Überdurchschnittlich häufig seien hier Großfamilien mit vielen Kindern anzutreffen. Typisch seien zudem viele Haustiere, es werde häufiger mit Kohle oder Holz geheizt und die Mütter rauchten seltener.
Möglicher Einfluss der Ernährung
Aber auch unterschiedliche Ernährungsweisen und -gewohnheiten könnten eine Rolle spielen. So könnten selbstproduzierte Milch und Milchprodukte vom Bauernhof, da sie andere Mikroben enthalten und eine andere Fettzusammensetzung haben als konventionell erzeugte Milch und Milchprodukte, einen gewissen Schutz vor Heuschnupfen und Asthma bieten. Dieser Effekt wurde in einer europäischen Lebensstilstudie** zum Thema Allergie und Asthma mit knapp 15.000 Kindern zwischen fünf und 13 Jahren beschrieben.
Lebensstilfaktoren und mikrobielle Besonderheiten auf Bauernhöfen könnten einen schützenden Effekt haben.
Mit gesunden Bakterien gegen die Asthmaentstehung
Natürlich können nicht alle Familien aufs Land oder auf einen Bauernhof ziehen, um ihre Kinder vor Asthma zu schützen. Um das Immunsystem von Babys so gut wie möglich bei der Entwicklung zu unterstützen, empfehlen Experten, den Nachwuchs mindestens ein halbes Jahr lang zu stillen. Man vermutet, dass die natürlichen Laktobazillen in der Muttermilch dem Immunsystem bei der Entwicklung helfen und so der Entstehung von Asthma und Allergien entgegenwirken können. An der Berliner Charité erforschen Mediziner zurzeit, ob es sinnvoll ist, Kinder während der ersten Lebenswochen zusätzlich mit probiotischen, also gesundheitsfördernden Bakterien zu behandeln, um dem Immunsystem die Chance zu geben, sich mit einer größeren Anzahl von möglichen Gefahrenquellen auseinanderzusetzen.
Im Fall des Falles helfen Medikamente
Aber auch Kinder, die ein Asthma entwickelt haben, können ein beschwerdefreies Leben führen. Wichtig ist hier, dass sie regelmäßig ihre Asthmamedikamente einnehmen und für eine optimale Asthmakontrolle regelmäßig dem Arzt vorgestellt werden. Auch Asthmaschulungen und Aufklärung durch den Arzt und die Eltern sind sehr wichtig.
(sk/bsmo)
Linktipps:
Asthma bei Kindern - wichtige Informationen
Studien:
*Ehrenstein O et al (2000): Reduced risk of hay fever and asthma among children of farmers. Clin Exp Allergy 30:187-193
** Waser M et al: Inverse association of farm milk consumption with asthma and allergy in rural and suburban populations across Europe. Clinical & Experimental Allergy 37 (5): 661-670
Quellen:
Nach Informationen von Monatsschrift für Kinderheilkunde (2001-149-S. 86) – Organ der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde, innovationsreport.de und focus.de.
Bild-Quelle:
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März 2009