Wohnen

Wohnortwechsel bei Asthma – Bringt das den durchschlagenden Erfolg?

Viele Asthma-Patienten erleben beim Aufenthalt im Hochgebirge oder an der See einen deutlichen Rückgang ihrer Asthma-Beschwerden. Wer käme da nicht in Versuchung, den Wohnsitz dauerhaft an den Urlaubsort verlegen zu wollen? – Doch Experten raten ab, denn die Urlaubswirkung hält nicht an.

Wohnortwechsel bei Asthma – Bringt das den durchschlagenden Erfolg?


Luftveränderung ist für viele Asthmatiker eine gute Sache
Zahlreiche Asthma-Betroffene haben es schon am eigenen Leib erlebt: Ein Aufenthalt an der See oder im Gebirge kann die Asthmabeschwerden spürbar bessern. Nicht nur bleiben die Alltagsmühen bei einer Urlaubsreise oder einer Reha-Maßnahme am Heimatort zurück, die Klimaveränderung verschafft oft auch den Atemwegen Erleichterung, verringert den Medikamentenbedarf und unterstützt so die Erholung.

Das Leben mit der Krankheit wird bei einigen Patienten so sehr erleichtert, dass sich der Gedanke aufdrängt, vielleicht auf Dauer von der allergenarmen, wohltuend salzhaltigen Luft an der Nordseeküste oder dem hausstaubmilbenfreien Wohnen im Hochgebirge zu profitieren. Mancher Patient beginnt über einen Wohnortwechsel nachzudenken, selbst wenn dieser mit erheblichen Einschnitten für das Berufs- oder Familienleben verbunden wäre. So wichtig ist die Besserung der Krankheitsbeschwerden für einige Betroffene, dass sie selbst vor Einschränkungen, Mühen und Kosten eines Umzugs nicht zurückschrecken würden, um dauerhaft freier atmen zu können. Doch bevor Arbeitsplatz und Wohnung gekündigt und die Kartons gepackt werden, sollten Umzugswillige unbedingt das Gespräch mit ihrem behandelnden Arzt suchen. Denn meistens hält der neue Wohnort nicht, was er zu versprechen scheint.

Die Besserung des Asthmas nach einem Wohnortwechsel hält in der Regel nur kurze Zeit an.

Asthma tritt auch an der Nordsee und im Hochgebirge auf
Experten wissen, dass es keine Klimaregion gibt, in der nicht auch Asthma auftritt. So groß die Erleichterung am Meer oder im Hochgebirge zunächst sein mag, auch dort gibt es Einheimische, die an der Atemwegserkrankung leiden. Ein bestimmtes Klima kann Asthma also nicht grundsätzlich verhindern. Auch wenn nach einem Wohnortwechsel zunächst eine Linderung der Beschwerden eintritt, machen die Betroffenen und ihre Ärzte fast immer die Erfahrung, dass die Besserung nicht von Dauer ist. In der Regel meldet sich die Krankheit binnen weniger Jahre in alter Intensität zurück.

Aus dieser Beobachtung haben Mediziner gefolgert, dass es nicht allein das Meeres- oder Hochgebirgsklima selbst ist, das zu einer Besserung des Asthmas beiträgt. Entscheidend scheint vor allem der Wechsel der Luftverhältnisse zu sein, wobei dessen positive Wirkung nach einiger Zeit wieder nachlässt.

Ein Umzug geht mit erheblichen Belastungen einher
Nicht nur die rasch nachlassende Besserung des Asthmas am neuen Wohnort lässt jedoch Ärzte ihren Patienten raten, einen Wohnortwechsel sorgfältig zu überdenken. Denn weitere Faktoren sollten bedacht werden. Ein Umzug ist anstrengend und stressig. Er kann damit Anlass zu einer Verschlechterung der Atembeschwerden geben, die die erhoffte Besserung eventuell bereits aufzehrt, bevor der neue Wohnort überhaupt erreicht ist.

Außerdem muss ein neuer Arbeitsplatz gefunden und ein neuer Freundeskreis aufgebaut werden. Abgesehen davon fühlt sich vielleicht nicht jedes Familienmitglied am neuen Wohnort gleichermaßen wohl. Auch hieraus können unerwartete Belastungen erwachsen, die sich eventuell ungünstig auf das Asthma auswirken.

Ein Umzug und das Wegbrechen der gewohnten Lebensverhältnisse können Asthma-Beschwerden manchmal sogar verstärken.

Die Ursache des Asthmas sollte möglichst genau geklärt sein
Vor jedem asthmabedingten Umzug raten Ärzte dazu, die Ursachen der Erkrankung so genau wie möglich abzuklären und zu den eigenen Lebensverhältnissen in Bezug zu setzen. So kann manchem Asthma-Patienten mit einem Umzug aus einer feuchten Flussniederung in eine trockenere, vielleicht höher gelegene Umgebung seiner Heimatregion unter Umständen nachhaltiger gedient sein als mit der Abwanderung auf eine Nordseeinsel.

Ebenso sollte untersucht werden, ob sich in der gegenwärtigen Wohnung bzw. ihrer Umgebung mögliche Asthmaauslöser verbergen wie etwa Schimmel, Hausstaubmilben oder Staub erzeugende Industriebetriebe. Auch in diesen Fällen kann eine Sanierung bzw. ein Umzug in Wohnortnähe unter Umständen größeren Nutzen bringen als die Verlagerung des Lebensmittelpunkts an einen Asthma-Kurort.

In vielen Fällen lohnt es sich zudem, mit dem behandelnden Arzt nochmals über die Therapie zu sprechen. Vielleicht gelingt es, die Basismedikamente noch besser an die individuellen Erfordernisse anzupassen und so die Lebensqualität wieder zu erhöhen.
(jg/bsmo)

Linktipps:
Expertenrat auf Luft zum Leben - Beitrag: "Asthma abhängig vom Aufenthaltsort?"

Antwort der Deutschen Atemwegsliga auf die Frage „Ich möchte umziehen. Was können Sie mir empfehlen?“

Quellen:
Nach Informationen von Deutsche Atemwegsliga und Deutsche Lungenstiftung e.V., Expertenrat Allergie-Helfer, Expertenrat Luft zum Leben und Deutscher Allergie- und Asthmabund (Hrsg.): Antworten auf die 111 häufigsten Fragen zu Allergie und Asthma. Stuttgart, Trias Verlag 2004

Bild-Quelle:
shutterstock.com, @ AVAVA

November 2009



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Samstag, 31. Juli 2010

Medizinischer Beirat - Ihr Experte Herr Dr. Michael Barczok


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