Die Ziele kennen

Therapieziele

Bessere Lebensqualität für Asthma-Patienten. Die Ziele der Asthma-Therapie sind hoch gesteckt, weil sich nur so die Lebensqualität der Patienten bessern und das Risiko schwerwiegender Folgen mindern lässt.

 Menschliche Pyramide

Bessere Lebensqualität für Asthma-Patienten


Die Ziele der Asthma-Therapie sind hoch gesteckt, weil sich nur so die Lebensqualität der Patienten bessern und das Risiko schwerwiegender Folgen mindern lässt.

Studien zeigen zweierlei: Zum einen werden diese Ziele in vielen westeuropäischen Ländern nicht erreicht. Zum anderen sind sie jedoch mit Hilfe einer optimalen Therapie durchaus einzuhalten.

Für Asthma gibt es derzeit zwar in den meisten Fällen keine Heilung, doch dank moderner Medikamente und Therapiekonzepte kann fast jeder Patient die Ziele erreichen, die heute - in Abhängigkeit vom Alter und den Begleiterkrankungen – mit einer Asthma-Behandlung angestrebt werden.

Entsprechend einer aktuellen deutschen Leitlinie, die auf internationalen Forderungen basiert, soll die Therapie sowohl akute als auch chronische Krankheitserscheinungen wie Symptome oder Anfälle vermeiden. Zudem soll eine bestmögliche Funktion der Lunge angestrebt und die bronchiale Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) gemindert werden. Darüber hinaus fordert die Leitlinie, sowohl das Fortschreiten der Erkrankung als auch Nebenwirkungen der Therapie zu vermeiden.

Als weitere Therapieziele nennt sie, die asthmabedingte Sterblichkeit zu mindern und krankheitsbedingte Beeinträchtigungen der körperlichen und geistigen Entwicklung sowie der körperlichen und sozialen Alltagsaktivitäten zu vermeiden. Und nicht zuletzt soll die moderne Therapie dazu beitragen, die Lebensqualität der Patienten zu bessern.

GINA-Kriterien zur Asthma-Kontrolle

Glückliche junge Frau

Eine gute Kontrolle des Asthmas liegt nach den anerkannten und in der deutschen Leitlinie auch berücksichtigten GINA-Kriterien (Global Initiative for Asthma) vor, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Minimale (idealerweise keine) chronische Symptome, inklusive nächtlicher Beschwerden
  • Minimale (seltene) akute Asthma-Anfälle
  • Keine Notfallbehandlungen
  • Minimaler (idealerweise kein) zusätzlicher Bedarf an Beta2-Sympathomimetika zur Symptomkontrolle
  • Keine Einschränkungen von Alltagsaktivitäten, inklusive Sport
  • Peak-Flow-Variabilität unter 20%
  • (Nahezu) normaler Peak Flow
  • Minimale (oder keine) Nebenwirkungen der Therapie


AIRE-Studie: Schlechte Asthma-Kontrolle in Westeuropa

In der Realität werden diese Ziele derzeit jedoch bei weitem nicht erreicht. Das belegte die AIRE-Studie, in der im Jahre 1999 in sieben westeuropäischen Ländern 2.803 Asthma-Patienten telefonisch zu ihrer Erkrankung befragt worden waren.

46% der Patienten hatten tagsüber Asthma Symptome, 30% berichteten von Schlafstörungen, die mindestens einmal pro Woche auftraten, und immerhin 10% waren in den vorangegangenen zwölf Monaten aufgrund eines akuten Anfalls mindestens einmal in der Notaufnahme gewesen. Die Autoren der Studie kamen daher zu dem Schluss, dass die Asthma-Kontrolle in Europa von den geforderten GINA-Kritierien weit entfernt ist.



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GOAL-Studie: Gute Asthma-Kontrolle ist möglich

Aufgrund dieser und ähnlicher enttäuschender Ergebnisse haben Asthma-Experten in der GOAL-Studie überprüft, ob sich die hochgesteckten Ziele der GINA-Kriterien überhaupt erreichen lassen. Tatsächlich bestätigte die Studie Mitte 2004: Eine Mehrzahl der Asthma-Patienten kann die GINA-Kriterien einhalten, wenn eine optimale, konsequente Therapie erfolgt.

An der Untersuchung hatten 3.421 Patienten teilgenommen, deren Asthma sehr unterschiedlich ausgeprägt und noch nicht medikamentös kontrolliert war. Alle Teilnehmer erhielten über ein Jahr eine Dauerbehandlung . Nach dem Zufallsprinzip bestand diese bei der einen Hälfte aus einem inhalativen, langwirksamen Beta2-Sympathomimetikum sowie einem inhalativen Kortison-Präparat (Salmeterol/Fluticason) und bei der anderen Hälfte nur aus dem inhalativen Kortison-Präparat (Fluticason). Weder die Patienten, noch die behandelnden Ärzte wussten, welcher Teilnehmer welche Medikamente anwendete.

In Anlehnung an die GINA-Kriterien erreichten nach einem Jahr Therapie in der ersten Gruppe 71% und in der zweiten Gruppe 59% der Patienten eine gute Kontrolle ihres Asthmas. Zudem trat die Kontrolle unter Salmeterol/Fluticason schneller ein, und es wurde dazu eine geringere Kortison-Dosis als unter Fluticason allein benötigt. Die Überlegenheit der Kombinations- gegenüber der Monotherapie deckte sich mit den Ergebnissen anderer Studien.

Patienten, bei denen eine medikamentöse Kontrolle des Asthmas gelang, hatten nur sehr selten akute Anfälle und eine nahezu normale Lebensqualität. Bei Patienten, die diese strengen Kriterien nicht erzielten, ließen sich dennoch wichtige Besserungen registrieren, beispielsweise der Lungenfunktion und der Lebensqualität. Basierend auf diesen Ergebnissen gehen die Autoren der GOAL-Studie davon aus, dass eine Asthma-Kontrolle nach den GINA-Kriterien bei einer Mehrzahl der Patienten mit nicht kontrolliertem Asthma erreicht werden kann, wenn diese in der Dauerbehandlung eine Kombination aus einem inhalativen, langwirksamem Beta2-Sympathomimetikum und einem inhalativen Kortison wie Salmeterol/Fluticason erhalten.

Disease-Management-Programme sollen Versorgung verbessern

Aufgrund der großen Diskrepanz zwischen den Zielen, die mithilfe einer modernen Asthma-Therapie erreicht werden können, und der Realität in westeuropäischen Staaten wie Deutschland, sind hierzulande am 1. Januar 2005 gesetzliche Grundlagen in Kraft getreten, die Disease-Management-Programme (DMP) für Asthma und chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen ermöglichen.

Diese strukturierten Behandlungsprogramme werden inzwischen von einer Reihe von Krankenkassen angeboten. Sie gewährleisten unter anderem eine koordinierte Betreuung durch Haus-, Kinder- und Fachärzte sowie ggf. weitere Therapeuten, die sich mit Asthma auskennen. Darüber hinaus beinhalten sie Schulungsprogramme, die Wissen über die Erkrankung und deren Behandlung vermitteln. Auf diese Weise soll die Versorgung verbessert und die Lebensqualität der Erkrankten gesteigert werden.

Quellen:

Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. Herausgegeben von der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Pneumologie 2006;60:139-83.

Global Strategy for Asthma Management and Prevention. Global Initiative for Asthma (GINA). aktualisiert 2005: www.ginasthma.com (Guidelines)

Rabe KF, et al. Clinical management of asthma in 1999: the Asthma Insights and Reality in Europe (AIRE) study. Eur Respir J. 2000;16(5):802-7.

Bateman ED, et al. Can Guideline-defined Asthma Control Be Achieved? The Gaining Optimal Asthma ControL Study. Am J Respir Crit Care Med 2004;170:836-44.

Asthma bronchiale: Mehr Lebensqualität durch strukturierte Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit: www.die-gesundheitsreform.de/themen_az/gesundheit_kompakt/asthma_bronchiale/index.html


Oktober 2007

Bild-Quelle Schmuckbild: istockphoto.com, © Alexander Hafemann
Bild-Quelle Textbild: istockphoto.com, © Simon Rea



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Samstag, 31. Juli 2010

Medizinischer Beirat - Ihr Experte Herr Dr. Michael Barczok


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