Meist Folge einer unzureichenden Dauertherapie
Als Anstrengungsasthma (Belastungsasthma) werden Asthmaattacken bezeichnet, die durch körperliche Anstrengung hervorgerufen werden. Anstrengungsasthma ist jedoch keine eigenständige Asthmaform. Es entsteht in den allermeisten Fällen auf Grundlage einer bereits bestehenden Asthmaerkrankung, die nicht ausreichend behandelt ist. Nur selten tritt es auch bei optimal medikamentös eingestellten Patienten oder als alleinige Erscheinungsform eines Asthma bronchiale hervor.
Anstrengung aktiviert das Abwehrsystem
Die medizinischen Zusammenhänge, die zur Entstehung von Anstrengungsasthma führen, sind noch nicht restlos geklärt. Wissenschaftler vermuten jedoch, dass Anstrengungsasthma eine Folge der körpereigenen Abwehrprozesse ist, die jede körperliche Betätigung begleiten. So werden bei Anstrengungen vermehrt weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Botenstoffe des Abwehrsystems (Immunsystem) ins Blut freigesetzt.
Bei diesem Vorgang halten sich normalerweise Faktoren, die zur Aktivierung der Abwehrreaktion führen, und solche, die die Abwehrreaktion begrenzen, die Waage. Anstrengung in vernünftigem Ausmaß führt deshalb nicht zu Beschwerden. Liegt jedoch bereits eine Verletzung, Reizung oder eine allergische Reaktion im Gewebe vor, kann das Gleichgewicht zwischen aktivierenden und deaktivierenden Faktoren durcheinander geraten. Bei Asthmatikern führt der beschleunigte Wechsel von kalter Ein- und warmer Ausatemluft zu einer solchen Reizung der Atemwege.
Bewegungsmangel fördert Anstrengungsasthma
Lungenfachärzte sehen in Anstrengungsasthma in erster Linie einen Hinweis darauf, dass die medikamentöse Therapie des Asthmas nicht optimal eingestellt ist und intensiviert werden muss.
Der zweite Faktor, der die Anfälligkeit für Anstrengungsasthma beeinflusst, ist der Trainingszustand der Betroffenen. Es mag auf den ersten Blick überraschen, aber regelmäßige körperliche Belastungen sind ein hervorragender Schutz vor Anstrengungsasthma. Denn wie die Muskulatur und das Knochengerüst lässt sich auch das Immunsystem trainieren. Die genauen Hintergründe dieses Effekts sind zwar noch nicht verstanden, doch sicher ist, dass regelmäßige körperliche Betätigung die Reaktion des Abwehrsystems auf Reizsituationen positiv beeinflusst. Asthmapatienten, die an Anstrengungsasthma leiden, sollten deshalb versuchen, ihre körperliche Fitness durch ein geeignetes Trainingsprogramm zu verbessern.
Zudem wird durch eine regelmäßige moderate körperliche Betätigung die Atemmuskulatur gekräftigt, Atemtiefe und allgemeine Belastbarkeit steigen. Durch Schonverhalten hingegen sinkt die Belastbarkeit immer mehr.
Laufen Sie gegen Ihr Anstrengungsasthma an!
Oberstes Gebot bei Verdacht auf Anstrengungsasthma sollte jedoch sein, niemals auf eigene Faust zu handeln! Vor Beginn des körperlichen Trainings empfiehlt sich in jedem Fall der Gang zum Lungenfacharzt. Dieser wird durch Untersuchungen andere Ursachen der mit Anstrengung gekoppelten Atemnot ausschließen und gegebenenfalls die Asthmamedikamente anpassen.
Zudem kann Ihnen der Arzt dabei helfen, eine Aktivität zu finden, die Ihnen optimal hilft und Risiken ausschließt. Im Allgemeinen werden bei Anstrengungsasthma bewegungsorientierte Sportarten empfohlen, die zu einer leichten bis mittleren Ausdauerbelastung führen, etwa Schwimmen, Wandern, Tanzen, Fahrrad fahren, Walking oder Joggen. Ein besonders geeignetes Angebot stellt auch spezieller Lungensport dar. Er muss vom Arzt verordnet werden und richtet sich gezielt an Menschen mit Lungen- und Atemwegserkrankungen.
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen und Regeln
Erfolg und Sicherheit des Bewegungstrainings sind letztlich nur dann garantiert, wenn wichtige Vorsichtsmaßnahmen und Regeln eingehalten werden, um keinen erneuten Anfall zu provozieren. Dazu gehört, Sport nur bei gutem Atemwegszustand (Peak-Flow > 80 Prozent) zu betreiben und sich vor dem Training immer ausreichend aufzuwärmen sowie intensive plötzliche Belastungen zu vermeiden. Sportliche Betätigungen im Freien sollten Sie bei Auftreten von Asthmaauslösern (z.B. Pollen, Kälte) nicht ausführen. Ein Trainingsgefährte an Ihrer Seite sorgt nicht nur für bessere Motivation, sondern garantiert auch für mehr Sicherheit, falls Sie doch einmal in eine Notfallsituation geraten sollten.
(jg/bsmo)
Linktipps:
Die Deutsche Atemwegsliga e.V. bietet auf ihrer Homepage ein Faltblatt mit weiteren Informationen zum Anstrengungsasthma
Informative Erfahrungsberichte rund um das Thema Lungensport und ein Verzeichnis von Lungensport-Gruppen bietet die Internetseite www.lungensport.org
Mai 2011
Quelle:
Nach Informationen der Deutschen Atemwegsliga e.V., der Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland e.V. sowie der Fachzeitschriften BMC Family Practice und Journal of Applied Physiology
Bild-Quelle:
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