Für die gesunde Entwicklung von Kindern mit Asthma ist entscheidend, dass die verordneten Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Hier sind besonders die Eltern gefragt.
Warum ist die regelmäßige Medikamenteneinnahme so wichtig?
Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Dabei bedeutet chronisch, dass die Krankheit dauerhaft besteht und „zurückkehrt“, sobald die vom Arzt eingeleiteten Behandlungsmaßnahmen beendet werden. Entzündlich besagt, dass sich das Gewebe der Atemwege in einem dauerhaften Reizzustand befindet, der nur durch geeignete Medikamente und das Meiden von Asthmaauslösern aufgehoben werden kann. Ohne diese Maßnahmen verstärkt sich der Reizzustand mit der Zeit, die Auslöseschwelle für Asthmaanfälle sinkt, die Schwere der Anfälle nimmt zu und die Behandlung wird schwieriger.
Durch die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente, das Meiden von Asthmaauslösern und die fortlaufende Kontrolle der Wirksamkeit der Behandlung, beispielsweise durch Messung des Peakflows, kann in der Regel ein dauerhaft beschwerdefreies Leben mit der Erkrankung erreicht werden.
Beschwerdefreiheit als Behandlungsziel
Für eine gesunde körperliche, seelische und soziale Entwicklung ist es wichtig, dass das Kind möglichst wenig Einschränkungen durch die Asthmaerkrankung erfährt. Dadurch wird es dem Kind ermöglicht, körperlich normal zu reifen, normale Kontakte zu Gleichaltrigen im Kindergarten oder der Schule aufzubauen, einen normalen Ausbildungsweg zu durchlaufen und zu lernen, soziale Beziehungen zu knüpfen, die nicht vorrangig durch die Erkrankung geprägt sind.
Eltern sollten ihre Erwartungen an die Behandlung des Kindes deshalb nicht zu niedrig ansetzen. Wird Asthma angemessen behandelt, sollte das Kind beschwerdefrei sein und sollten Fehltage in der Schule aufgrund des Asthmas nicht vorkommen. Wird ein solcher Zustand trotz regelmäßig durchgeführter Behandlungsmaßnahmen nicht erreicht, muss gegebenenfalls die Behandlung umgestellt oder intensiviert werden.
Eine konsequent durchgeführte Asthmatherapie bietet Kindern die Chance für ein gesundes Leben ohne Einschränkungen.
Therapie ist in erster Linie Elternsache
Kinder sind erst ab einem Alter von etwa zehn Jahren in der Lage, die Bedeutung der Therapie zu erfassen und alle erforderlichen Behandlungen selbstständig durchzuführen. Insbesondere in den frühen Lebensjahren müssen Eltern die Therapie ihrer Kinder daher vollständig übernehmen. Das gilt nicht nur für die Durchführung der Behandlung, sondern auch dafür, Symptome und Asthmaauslöser frühzeitig zu erkennen.
Damit kommt den Eltern eine große Verantwortung zu, die sich teilweise auch auf die spätere Gesundheitsentwicklung des Kindes erstreckt. Denn Untersuchungen* haben gezeigt, dass asthmakranke Kinder auch als spätere Erwachsene umso besser mit ihrer Erkrankung zurechtkommen, je früher sie an eine regelmäßige und den Symptomen vorbeugende Therapie gewöhnt werden.
Wie können Eltern ihre Kinder noch unterstützen?
Bestimmte Verhaltensweisen der Eltern helfen den Kindern dabei, ein Verständnis für die Therapie zu entwickeln, sich mit der Therapie sicher zu fühlen und im Alltag gut zurechtzukommen. So wirkt es sich nachweislich* positiv aus, wenn das Krankheitsmanagement einen festen Platz im Alltags- und Familienleben hat, die Medikamenteneinnahme z.B. zum festen Ritual im Tagesablauf wird und alle Familienmitglieder involviert und informiert sind. Ebenso war in Studien**,*** eine positive Einstellung der Eltern zu den Asthmamedikamenten und Vertrauen in die Wirkung der Therapie mit einer besseren Therapietreue bei den Kindern verbunden. Dies wiederum setzt ein hohes Maß an Informiertheit der Eltern zu den Wirkungen der einzelnen Medikamente voraus.
Eltern können die Therapietreue ihres Kindes und damit den langfristigen Erfolg der Behandlung auf vielfältige Weise unterstützen.
Wichtig: Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Arzt
Ein asthmakrankes Kind behandeln zu müssen, stellt für Eltern oft eine doppelte Belastung dar. Sie erleben unmittelbar das Leid, das mit der Erkrankung verbunden ist, und müssen darüber hinaus unter Umständen Maßnahmen durchführen, die das Kind ablehnt oder als zusätzliche Qual empfindet, wie es beispielsweise bei der Inhalationstherapie bei Kleinkindern vorkommen kann.
Um sich dieser schwierigen Aufgabe zu stellen, sollten Eltern auf jede Hilfsmöglichkeit zurückgreifen, die sich ihnen bietet. In erster Linie ist in diesem Zusammenhang der behandelnde Arzt zu nennen. Auch wenn es Medizinern im heutigen Praxisalltag oft schwer fällt, die Zeit für ausführliche Gespräche zu finden, sollten Eltern nicht locker lassen und sich mit allen Fragen oder Problemen an den Arzt wenden.
(jg/bsmo)
Studien:
*Fiese BH, Wamboldt FS, Anbar RD (2005) Family asthma management rotines: connections to medical adherence and quality of life. J Pediatr 146: 171-176
**Apter AJ, Boston RC, George M (2003) Modifiable barriers to adherence to inhaled steroids among adults with asthma: it’s not just black and white. J Allergy Clin Immunol 111: 1219-1226
***Conn KM, Halterman JS, Lynch K et al. (2007) The impact of parents medication beliefs on asthma management. Pediatrics 120: 521-526
Linktipps:
Asthmatherapie – die Ziele kennen
Welche Asthma-Medikamente gibt es und was bewirken sie?
Mai 2011
Quelle:
Nach Informationen der Monatszeitschrift Kinderheilkunde: Compliance bei asthmakranken Kindern“ (Ausgabe: 2008; 156: 1095-1099)
Bild-Quelle:
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