Schwangerschaft

Schwanger mit Asthma: Was ist jetzt zu tun?

Die werdende Mutter isst in den kommenden neun Monaten nicht nur für zwei, sie atmet auch für zwei. Daher sollte der Asthmakontrolle gerade während der Schwangerschaft besondere Bedeutung beigemessen werden. Denn wer sein Asthma nicht im Griff hat, riskiert Komplikationen.

Schwanger mit Asthma: Was ist jetzt zu tun?


Endlich schwanger – und was ist mit dem Asthma?
Für viele geht ein Herzenswunsch in Erfüllung: Der Schwangerschaftstest ist positiv. Jetzt heißt es, die Lebensgewohnheiten zu hinterfragen und das Ungeborene vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Tabak und Alkohol sind vorerst tabu, genauso wie Rohmilchkäse, rohes Fleisch oder roher Fisch. Aber auch viele Medikamente dürfen während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da sie die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen können. Doch wie ist es mit den Asthma-Mitteln, die regelmäßig eingenommen werden sollten, um möglichst optimal zu wirken? Können sie dem Baby schaden oder schützen sie es sogar?

Asthma-Anfälle können dem Baby schaden
Zahlreiche Studien belegen, wie wichtig die regelmäßige Asthma-Therapie gerade in der Schwangerschaft ist. Denn wird das Asthma nicht ausreichend kontrolliert und kommt es während der neun Monate zu Asthma-Anfällen, dann können Komplikationen auftreten. Dazu zählen beispielsweise:

  • Präeklampsie: erhöhter Blutdruck während der Schwangerschaft
  • Verzögertes Kindswachstum im Mutterleib
  • Vermindertes Geburtsgewicht der Kinder
  • Frühgeburt
  • Kindliche Missbildungen

So zeigte kürzlich eine Untersuchung* mit über 4.000 schwangeren Asthmatikerinnen, dass die Asthmakontrolle einen direkten Effekt auf die Missbildungsrate hat. „Demnach ist das Risiko für mindestens einen Geburtsdefekt des Kindes um 48 Prozent erhöht, wenn Schwangere ihr Asthma bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht unter Kontrolle haben“, erläutert Dr. Michael Barczok vom Lungenzentrum Ulm, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Pneumologen und Mitglied im Expertenrat Asthma auf www.luft-zum-leben.de. „Während die durchschnittliche Missbildungsrate in der allgemeinen Bevölkerung zwischen drei und sechs Prozent liegt, beträgt sie bei Asthmatikerinnen, deren Asthma sich während der Schwangerschaft verschlechtert, rund 13 Prozent“, so Barczok weiter.

Frauen sollten ihre Asthma-Therapie in der Schwangerschaft nicht abbrechen!

Atmen für zwei
Die Ursache ist in der Sauerstoffversorgung des Ungeborenen zu suchen. Denn die werdende Mutter isst nicht nur für zwei, sie atmet auch für zwei. Führen asthmabedingte Atemprobleme zu einem Absinken des Sauerstoffgehaltes im Blut der Mutter, dann wird auch der Fötus nicht ausreichend mit dem lebenswichtigen Stoff versorgt. Ob und welche Missbildungen auftreten, hängt davon ab, in welchem Entwicklungsstadium des ungeborenen Kindes der Sauerstoffmangel auftritt. Die Forscher unterstreichen, dass sich dieses Risiko deutlich senken lässt, wenn Frauen auch während der Schwangerschaft ihr Asthma medikamentös im Griff haben.

Bei der Asthma-Therapie beachten
Die meisten Asthma-Medikamente sind für den Gebrauch in der Schwangerschaft geeignet. „[…] moderne Asthma-Medikamente sind, wenn sie vorschriftsmäßig eingenommen werden, sicher und werden dem heranwachsenden Kind nicht schaden“, betont auch Barczok. Vorsicht ist jedoch geboten bei einer Dauertherapie mit oral einzunehmenden Glukokortikoiden. Sie entfalten ihre Wirkung im gesamten Körper und gelangen über den mütterlichen Blutkreislauf auch zum Fötus. Hier können sie das Wachstum des ungeborenen Kindes hemmen. Daher sollte während einer Schwangerschaft versucht werden, auf eine Therapie mit inhalativen Glukokortikoiden umzustellen. Denn diese entfalten ihre entzündungshemmende Wirkung überwiegend in der Lunge der Mutter und beeinträchtigen das Baby kaum.

Eine gute Asthmakontrolle senkt das Komplikationsrisiko für Mutter und Kind.

Konsequente Asthma-Kontrolle zum Wohle von Mutter und Kind
Wer einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hält, sollte nicht nur einen Termin bei seinem Frauenarzt ausmachen. Auch der Lungenfacharzt sollte möglichst bald aufgesucht werden. Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Lungenfacharzt, welche Medikamente Sie einnehmen dürfen und welche Höchstmengen erlaubt sind. Die Deutsche Atemwegsliga empfiehlt folgende Voruntersuchungen:

  • Lungenfunktionstest (Spirometrie) mindestens in vierwöchigem Abstand (je nach Schweregrad)
  • Arterielle Blutgasanalyse
  • Tägliche Peak-Flow-Messungen. Dokumentation nicht vergessen!

Mit einem Lungenfunktionstest lässt sich überprüfen, ob das Asthma unter vollständiger Kontrolle ist“, erklärt Barczok. „Falls nicht, kann der Lungenarzt die Therapie justieren, um die Asthmakontrolle zu verbessern. Mit den Medikamenten, die uns heutzutage zur Verfügung stehen, sollte sich in den allermeisten Fällen eine vollständige Asthma-Kontrolle erreichen lassen - vorausgesetzt die Patientinnen halten sich konsequent an die Vorgaben der Einnahme“, unterstreicht der Lungenfacharzt.

Auch zu Hause können werdende Mütter schnell und einfach prüfen, ob sie ihr Asthma im griff haben. Hier hilft der Asthmakontrolltest. So vorbereitet können Schwangere die kommenden neun Monate unbeschwert genießen und sich in Ruhe auf die Geburt des Kindes vorbereiten.
(fm)

*Studie: Blais L, Forget A.: Asthma exacerbations during the first trimester of pregnancy and the risk of congenital malformations among asthmatic women. J Allergy Clin Immunol. 2008 Jun;121(6):1379-84, 1384.e1.

Linktipps:
Fundierte Informationen rund um das Thema Schwangerschaft bei Frauenärzte im Netz

Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga zur Behandlung von Asthma in der Schwangerschaft

Das Special Schwangerschaft auf Lifeline

Quellen:
Nach Informationen von: Deutsche Atemwegsliga, Frauenärzte im Netz; Journal of Allergy and Clinical Immunology und Schatz M, Dombrowski MP.: Clinical practice. Asthma in pregnancy. N Engl J Med. The New England Journal of Medicine2009 Apr 30;360(18):1862-9

Bild-Quelle:
shutterstock.com, @ USTIN

August 2009

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Mittwoch, 10. März 2010

Medizinischer Beirat - Ihr Experte Herr Dr. Michael Barczok


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